Ein paar Reime über Dinge

20/02/14 19:10

Kurz ein paar Sachen aus dem Haus,
schon die Geier tragen’s raus.
Niet und Nagel ist nicht fest,
bleibt davon kein kleiner Rest.
Ob ich’s brauche oder nicht?
Ich bin doch ein armer Wicht!
Wenn die Zeit mal so weit ist,
nehm’ ich dies wie Pferdemist.
Pferdemist ist tolle Ware,
drauf wächst Kraut wie Teufelshaare,
tausche ich dies gegen Sachen,
so kann ich mir Würde machen.
Für Recht und Ordnung sorg’ ich gern,
mich daran zu halten sehe fern.
Dung auf ungemeldeten Karren,
lässt sich super weit wegfahren.

Echter Katzenjammer oder Ode zum Kätzchentode

03/05/13 15:08

Alter Jäger aus dem Wald,
kommt derweilen nicht zum Schuss,
also Kätzchen macht er kalt,
jeden Frühling grüßt der Todeskuss.
Unfreie Wildschweine als Allesfresser,
verschlucken den Kadaver der toten Leibe,
mit Haut und Haar verputzen sie die Äser,
ohne kleinste Gewissensscheibe.

Betonköpfe an der Macht

22/04/15 19:20 | Thema: Kultur

Noch sitzen Betonköpfe am langen Hebel,
kauern verhüllt im Freiheitsnebel.
Ja, die sind noch da
und verstehen kein Fauxpas.
Sie nehmen Furcht der Schwachen,
um hinterrücks ins Gesicht zu lachen.
Nähren sich mit Elend deren,
die sie hindern am Vermehren.
Oh, Menge kosten sie das Land,
saugen es aus mit dem Rücken an der Wand.
Wann löst sich endlich die Standarte
mit der „goldenen“ SED-Freikarte?

Vorgezogenes Osterfeuer oder uns ist nichts ungeheuer

04/03/14 19:07 | Thema: Kultur

Mogeln und Kokeln haben wir im Blut,
jeden Tag schüren wir die Glut,
ob wir’s dürfen? Mit Sicherheit!
Wir sind Kings in unserer Tätigkeit!
Unseren Hühnern heizen wir sogar warm,
wir werden doch nie holzarm,
denn Beziehungen haben wir satt,
diese sind mächtiger als der Staat!
Schlotfeger? Umwelt- oder Ordnungsamt?
Kennen wir sie doch allesamt,
keiner kann uns Wasser reichen,
wenn wir wollen, können wir jeden streichen.

Die Schlotskulptur

23/03/15 19:29

Du Schornstein, mein allerliebster Kamin,
nur wenn du rauchst, ist das Glück drin,
das alte Rohr hielt leider nicht mehr stand,
also ersetzte ich es gegen eins mit rotem Rand.
Dies gefiel manchen nicht mehr lang,
so ließ ich dem, den Handwerkern Dank,
ein Mantel aus teurem Stein aufsetzen,
zur schöneren Kremation der Makulaturfetzen.
Der Schlot ragt nun stolz empor, wie eine Phallus-Skulptur
über den alten Hühnerstall in Bruchbudenglamour.
Er bleibt jetzt der Nachwelt lange bestehen,
aber das Übrige an ihm wird bald vergehen...

Mann hinter’m Baum

01/04/14 19:01

Früh am Morgen, wenn der Nebel noch steht,
schickt Frühling seine Vorboten.
Eine sanfte Brise weht,
und öffnet die Winterknoten.
Vögel trällern im Takt,
an jeder Ecke zeigt sich Liebesakt...
Aber, aber, da ist ein Mann hinter’m Baum,
mit großem Hund sitzend am Bein!
Das ist wohl sein Raum,
wir sind ja nicht allein...
Er nimmt uns aufs Korn,
gleich kommt sein Dampf,
Er bläst in’s Horn:
Zum Kampf, zum Kampf,
auf’s Messer und Stein!
Der Frühling kommt jedes Jahr und geht,
wir alle werden von Zeit gemäht,
Nichts für ungut, alles wird top,
befehle nur dem Teufel im Herzen: Stopp!

Ein Märchen von Reinerbigkeit

12/05/14 18:55

Die Reime

Im Tiergehege, eng und grau,
lebte Maximilian mit seiner Sau.
Ein König war er, wild und stark,
mit Hauen scharf bis in das Mark.
Er sprang am Zaun, bespritzt’ die Leut’,
ein Rest von Stolz in seiner Zeit.
Doch „Big Brother“ hielt die Zügel fest,
fraß jeden Herbst den Kinderrest.
Namenlos im Matsch geboren,
war’n sie zum Schlachten auserkoren.
Dann kam Mariechen, hager, klein,
sie durfte nun zum König rein.
Vom Bauernhof, aus dunkler Nacht,
hat man sie in den Pferch gebracht.
Das Gretchen, träge, fett und alt,
ließ Maximilian nun kalt.
Mariechen frischte, jung und zart,
sechs Kleine nach der Wildschwein-Art.
Doch bevor der Schuss den König traf,
fand Maximilian den ew’gen Schlaf.
Vielleicht aus Gram, vielleicht aus Not,
er wollte nicht seh’n den Kindertod.
Ein Sohn blieb übrig, nur das eine Tier,
dem „Big Brother“ zur Profitbegier.
Nun rauscht der Sohn mit Muttergeist,
was Hybride für die Tafel heißt.
Gezüchtet nur für fremden Magen,
wer wagt es noch, nach Recht zu fragen?

Die Erzählung

Es war einmal weit, weit weg – und doch mittendrin und gar nicht so lange her. Dort lebte in einem nicht artgerechten Tiergehege der alte Keiler Maximilian mit seiner Bache Gretchen. Der alte Schwarzwildkönig war von Natur aus stark und temperamentvoll, mit mächtigen Hauen; er sprang oft hoch am Zaun empor und bespritzte die schaulustigen Besucher mit Suhlschlamm.

Fast jeden Winter, seit sieben Jahren, bewegte er seine wohlgenährte Gemahlin zur Mutterschaft, und sie brachte Frischlinge zur Welt. Die Kleinen bekamen nie einen Namen, da sie von „Big Brother“ bereits als Menschenfutter für den nächsten Herbst bestimmt waren.

Dann, an einem sonnigen Frühlingstag, brachte der „große Bruder“ ein süßes Wildschweinmädchen hinein: Mariechen. Sie war jung, ausgemagert und einsam; zuvor war sie auf einem Bauernhof in Dunkelheit gehalten worden, nachdem man sie als Frischling in einem nahegelegenen Maisfeld gefunden hatte. Der Bauer hatte versucht, Mariechen an die eigenen Hausschweine im Stall zu gewöhnen, doch das ging nicht gut. So kam sie zu Maximilian und Gretchen ins fraßvolle Gatter.

Die alte Bache, fett und träge wie sie war, kam für den alten Keiler nun nicht mehr infrage. So frischte Mariechen nach der Rauschzeit zum ersten Mal sechs kleine Wildschweinchen, die wiederum als junger Braten enden sollten. Womöglich ertrug der alte König die Trauer nicht, wieder zusehen zu müssen, wie seine Kleinen aus nächster Nähe erschossen werden – er starb, bevor die Flinte ihr Werk verrichten konnte.

„Big Brother“ hatte jedoch Glück, da einer der Frischlinge ein angehender Keiler war. Diesen ließ er als Einzigen am Leben. Jetzt rauscht der Sohn mit der eigenen Mutter und zeugt Hybride als Menschenfutter.

Und die Moral von der Geschicht?
Wer Mauern baut und Freiheit stiehlt, nur auf den eigenen Nutzen schielt, der züchtet sich am Ende bloß ein Elend ohne Maß und Los.